Danke, Netflix, für die Looks in Die Ausgrabung

Foto: bereitgestellt von Netflix
Netflix-Neuerscheinungen waren vielleicht noch nie so wichtig wie zu Zeiten einer Pandemie. Livin’ la vida lockdown bedeutet nämlich vor allem eins: viel Zeit vorm TV. Und während uns der Streaming-Gigant hauptsächlich mit Drama versorgt – zum Beispiel in Form von grausigem True Crime, erschütternden Familiengeschichten oder der x-ten Teen-Mystery-Show –, schlägt Netflix gelegentlich auch etwas zurückhaltendere Töne an. In diesem Monat ist das definitiv Die Ausgrabung. 
Der mit Carey Mulligan, Ralph Fiennes, Lily James und Johnny Flynn hochkarätig besetzte Film erzählt die Geschichte einer archäologischen Entdeckung im ländlichen Suffolk, Großbritannien, kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs. Zumindest oberflächlich. Tatsächlich geht es in Die Ausgrabung weniger um die historischen Schätze selbst als um ihre  kulturelle Bedeutung: Der Film handelt von Erinnerungen, deren Bewahrung, von Zeit, und davon, wie Menschen all das in Form von Artefakten wie Münzen und Fotos festzuhalten versuchen.
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Während wir selbst gerade im tiefsten Winter stecken, serviert Die Ausgrabung jede Menge Fernweh: Der blaue Himmel über Suffolk und seine ausufernden grünen Felder liefern uns genau die Spätsommer-Vibes, nach denen wir uns gerade sehnen. Und Ediths (Carey Mulligan) edwardianischem Landhaus mit seinen riesigen Bücherregalen, gefransten Lampenschirmen, salbeifarbenen Tapeten und Vasen voller Trockenblumen schenkt uns gleichzeitig noch ein bisschen #interiorinspo – als hätte sich da jemand im Filmteam von TikToks verträumtem #cottagecore-Trend inspirieren lassen. 
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drücken lässt: der Style. Von Carey Mulligans Seidenshirts, camelfarbenen Cardigans und dem wohl perfektesten Regenmantel, den wir je gesehen haben, bis hin zu Lily James’ high-waisted Bermudas, Blusen mit Peter-Pan-Kragen – jeder Look, den wir zu sehen bekommen, ist einfach makellos, und ein schöner Kontrast zu fancy Outfits à la Bridgerton. Und tatsächlich setzte die Kostümdesignerin des Films, Alice Babidge, bei der Auswahl der Garderobe auf zarte, unaufdringliche Outfits. Das Ergebnis ist eine alltäglichere, zugänglichere Ästhetik. „Ich finde nicht, dass man sich [beim Kostümdesign] unbedingt an den Style eines bestimmten Jahres halten muss, nur weil etwas in einem bestimmten Jahr spielt“, erzählt sie Refinery29. „Wenn du dir Menschen an einem normalen Tag ansiehst – egal, in welchem Jahr –, fällt dir auf, dass sie etwas tragen, worin sie sich wohl fühlen und in dem sie sie selbst sein können. Ja, ein historischer Film muss natürlich auch Trends berücksichtigen, also schaute ich mir die Trends der späten 1930er an. Was du dabei aber auch bedenken musst, ist: Die Leute trugen damals auch immer noch Klamotten, die sie fünf, zehn, sogar 20 Jahre vorher gekauft hatten. Ihre Garderobe war also eine Kombination aus neu und alt.“
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Deswegen vermeidet Babidge überzeichnete Kostüme, indem sie einen realistischeren Blick darauf wirft, über welchen Zeitraum hinweg die Charaktere ihre Kleidung wohl in Wahrheit getragen hätten. Das wird umso deutlicher dadurch, dass die Figuren im Laufe des Films denselben Look mehrmals tragen. „Bei Edith wiederholt sich das oft, und Basil (Ralph Fiennes) hat nur zwei Hosen – das war damals so.“ Vor dem Zeitalter der Massenproduktion und Fast Fashion, in dem es uns das Online-Shopping erlaubt, uns stundenlang durch Klamotten zu scrollen und sie mit nur einem Klick zu kaufen, war eine praktische, bewusstere Einstellung zur eigenen Garderobe etwas völlig Normales. Und weil uns der Lockdown dazu zwingt, die Daseinsberechtigung unserer „ungemütlichen“ Kleidungsstücke und das Ausmaß unserer Kleiderschränke zu hinterfragen, trifft der Style in Die Ausgrabung einen bestimmten Nerv.
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Das Interesse an einer aufs Nötigste runterdestillierten, nachhaltigen Garderobe war nie größer; viele nutzen die neugewonnene Lockdown-Freizeit, um sich genau zu überlegen, welche Pieces sie wirklich jahrelang tragen wollen (und können). Ganz in diesem Sinne suchte auch Babidge für Die Ausgrabung nach handgeschneiderten Vintage-Stücken und zeitlosen Brands wie Margaret Howell (Ediths eierschalenfarbene Bluse mit geriffeltem Kragen, zum Beispiel, stammt aus der Herbst-Kollektion 2018, während ihr rötlicher Cardigan von 2019 ist). Mit maßgeschneiderten Hosen, Seidenblusen und geschnürten Halbschuhen können wir derzeit im Lockdown vielleicht nichts anfangen, wirken aber wegen ihrem zeitlosen Chic attraktiver denn je. „Wir begreifen erst seit ein paar Jahren, wie problematisch unser Konsumverhalten geworden ist“, meint Babidge dazu. „Das Ausmaß der Garderobe der Filmcharaktere ist so viel kleiner als unseres; und wenn die Zuschauer:innen das als etwas Wünschenswertes, Praktisches sehen, ist das definitiv etwas Gutes.“
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Die Kostüme in Die Ausgrabung dürften vor allem denjenigen gefallen, denen die zuckersüßen Prints und Silhouetten des Cottagecore zu feminin sind. Von Basils Tweed-Weste und der dazu passenden Mütze bis hin zu Ediths maßgeschneiderter Hose, die sie in den Socken trägt, die wiederum in braunen Halbschuhen stecken – der Film bietet jede Menge elegante, zeitlose Looks. Und wer es etwas edler mag, kann sich von den glitzernden Abendkleidern aus den 20ern inspirieren lassen, oder sich für den Homeoffice-Look einen weitärmeligen Seidenpyjama und Morgenmantel à la Die Ausgrabung bestellen. Noch gemütlicher geht’s auch – zum Beispiel mit der Kombi aus rostfarbenen Leinen-Overalls, kurzärmeligem Strickshirt und Perlmutt-Brille, wie Peggy (Lily James) trägt. 
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Unser Fazit: Es gibt viele gute Gründe, dir den Film anzusehen. Die Schauspieler:innen liefern eine tolle Performance, die Aufnahmen sind spektakulär, und insgesamt bietet Die Ausgrabung eine willkommene Verschnaufpause vom üblichen Netflix-Drama. Da ist die umwerfende Mode des Films nur noch das Sahnehäubchen obendrauf.
Die Ausgrabung ist jetzt auf Netflix verfügbar. 

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