Ich frage mich, was ist das nächste Level? Was bitte ist die Steigerung von Sexualität? Hypersexualität?
Uns überrollt eine Welle an Sextoys: Wo früher noch schüchtern gekichert wurde, wenn das Wort Dildo oder Vibrator fiel, wird heute nur noch müde gelacht. Das ist doch lahm. Die Vibratoren liegen heute in guter Gesellschaft bei Anal Plugs und Bondagematerial. Analketten und Liebesschaukeln finden sich ebenfalls in der absichtlich prominent platzierten Kiste wieder. Weil Spaß haben doch okay ist. Und Sexualität darf doch experimentell sein. DARF SIE. Aber MUSS sie nicht. Wenn ich höre, dass es bei Paaren im Bett nicht mehr so läuft und sie sich mal ein paar Toys bestellen müssen, weiß ich nicht, ob ich Lachen oder Weinen soll. Sind wir mal ehrlich: Was läuft denn da nicht? Meistens fehlt es ja vor allem an der Frequenz. Oder der Qualität. Aber weder das eine noch das andere lässt sich mit Sexspielzeugen aus der Welt räumen. Ich bin ja ein großer Fan von Kommunikation. Meist sind die Lösung für solche „Probleme“ , wenn es denn welche sind, nicht irgendwelche Plastikteile in leuchtendem Lila oder Pink, sondern ein ehrliches Gespräch bei einem Glas Wein.
Versteht mich nicht falsch: Ich finde Diversität toll – im Leben, Lieben, im Bett. Ich finde es wunderbar, dass jeder heute das machen kann, was er möchte und sich dafür nicht in schummrigen Spelunken oder peinlichen Sexshops herumtreiben muss. Aber ich habe das Gefühl heute meint jeder er muss zwanghaft offen und experimentierfreudig sein.
Sind wir mal ehrlich: Die größte Angst in dem Kontext ist es, als Person oder Paar in eine Schublade gesteckt zu werden. Man will nicht die Langweilige sein, die Brave, das Mauerblümchen. Sondern lieber die Offene, Promiskuitive, Spannende. Bleibt die Frage, was spannend daran ist, wochenlang vor Tinder zu hängen, um eine dritte Person für eine Menage-à-Trois zu finden. Oder durch die Wohnung zu hampeln während oder vor man den Beischlaf vollzieht, um irgendein spannendes Toy hervorzukramen.
Pornos? Gucken mein Freund und ich ja zusammen, aber das ist ja auch irgendwie lahm. Ich mit 30 weiß was ich mag. Und was nicht. Und da ist es in erster Linie egal, ob das Trends entspricht, offen ist oder eben konservativ. Mich kann auch jeder in eine seiner großen gedanklichen Schubladen schicken, egal ob in die promiskuitive, weil ich eine Latexhose besitze. Oder in die spießige, weil ich den Vorhang im Erdgeschoss zuziehe, wenn mein Freund bei mir schläft. Wichtig ist, dass ich weiß: Ich muss nicht die sein, die alles mitmacht. Nur weil gerade irgendwer meint, das sei angesagt. Ich mach genau das, worauf ich Lust habe. Mit wem ich Lust habe. Und wann ich Lust habe. By the Way auch ohne #aftersexselfie.