pH-Wert und Prozent: Was du über Skincare-Säuren wissen solltest

Illustration: Anna Sudit
Du musst längst kein:e Kosmetiker:in mehr sein, um an Säuren zur Hautpflege zu kommen – an genau die Substanzen, die mal als „zu potent“ für den Heimgebrauch galten, inzwischen aber in Reih und Glied in unseren Badezimmerschränken stehen. Scrollst du dich durch das Skincare-Sortiment von Sephora, Douglas und Co., findest du dort Hunderte Produkte mit dem Begriff „Säure“ oder „acid“ im Namen. Wenn du dich aber noch gut an diverse Experimente im Chemie-Unterricht erinnern kannst, bist du vielleicht noch etwas skeptisch; sind Säuren nicht schließlich echt… naja, ätzend? 
Prinzipiell gilt: Klar. Allerdings sind nicht alle Säuren gleich, und die, die du dir ins Gesicht schmierst oder träufelst, sind nicht dieselben, für die du damals in der Schule eine Schutzbrille aufsetzen musstest. „In der Hautpflege kommen verschiedene Säuren zum Einsatz, und viele davon tun der Haut sehr gut“, meint die Dermatologin und Skincare-Mogulin Dr. Barbara Sturm, die seit 2016 ihre eigene Hautpflegemarke hat. „Hyaluronsäure zum Beispiel hilft der Haut dabei, ihren Feuchtigkeitsspiegel zu heben, weil sie Wasser gut bindet. Sie ist ein natürlicher Bestandteil der Haut, doch wird sie im Laufe der Jahre immer weniger gebildet. Durch die äußere Anwendung oder orale Einnahme können wir das ausgleichen.“
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Und dann wären da noch diverse Buchstaben, die überall auftauchen: AHAs (Alphahydroxysäuren) und BHAs (Betahydroxysäuren). „Alle Säuren haben einen peelenden Effekt. AHAs eignen sich für alle Hauttypen, BHAs hingegen sind am besten für Menschen mit ‚Problemhaut‘, da sie antibakteriell wirken und verstopften Poren vorbeugen“, erklärt Colette Haydon, Gründerin der Skincare-Marke Lixir Skin. „Jede Säure hat eigene Vorteile: Milchsäure zum Beispiel verbessert die Hydration, Lactobionsäure reduziert oxidativen Stress  durch Umwelteinflüsse (der deine Haut fahl und grau aussehen lässt), während Phytinsäure Schwermetalle in der Haut entfernt und sie so entgiftet. Salicylsäure wirkt antibakteriell und verhindert die Verstopfung der Poren, und Azelainsäure reguliert die Talgproduktion.“
Du siehst also: Die Auswahl ist groß, und nicht jede Säure eignet sich für jeden Hauttyp – dazu haben wir aber einen eigenen Guide zusammengestellt. Weißt du erstmal, welche Säure zu deiner Haut passt, gibt es aber noch Weiteres zu beachten und wissen. „‚Gute‘ Säuren wie Hyaluron- oder Zitronensäure versorgen die Haut mit Feuchtigkeit und wirken antioxidativ“, erklärt Dr. Sturm. „Aggressivere Säuren hingegen greifen die Haut genau genommen an und stören ihre Schutzbarriere. Dadurch wird ihr Feuchtigkeit entzogen. Noch dazu beschleunigen sie die Zellerneuerung und sorgen langfristig dafür, dass die Haut dünner wird, weil sich diese Zellen nicht unendlich oft teilen können. Diese Wirkung sehen wir bei allen Hauttypen, aber gerade jemand mit empfindlicher Haut reagiert womöglich schneller negativ. Das kann dann zu ernsten Fällen sogenannter Hyperkeratose führen – der Verhornung der Haut. 
Klingt erstmal gruselig – aber keine Panik: Die Säuren, die du im Handel bekommst, sind dahingehend reguliert. „Entscheidend ist die Konzentration, die wir an unsere Haut lassen“, erklärt die Dermatologin Dr. Mirela Mitan. Frei erhältliche Kosmetikprodukte mit AHAs und BHAs sollten laut einer Empfehlung der europäischen Kosmetikindustrie nicht mehr als eine zwölfprozentige Säurenkonzentration aufweisen; ihr pH-Wert darf außerdem nicht unter 3,0 liegen. In Kosmetikstudios können diese Werte abweichen, und Dermatolog:innen können ihren Patient:innen höher konzentrierte AHAs verschreiben. 
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Hast du eine Säure gefunden, die diesen Werten entspricht und zu deinem Hauttyp passt, geht es daran, sie richtig aufzutragen. „Die Säure solltest du am besten ausschließlich nachts auftragen und im Sommerurlaub am besten ganz darauf verzichten“, warnt Haydron. Das liegt daran, dass die Säure deine Haut anfälliger für UV-Strahlung macht; daher ist Sonnenschutz in jedem Fall täglich Pflicht
Wenn du glaubst, deine Haut könnte sehr empfindlich auf diese Produkte reagieren oder es in der Vergangenheit bereits getan hat, musst du trotzdem nicht auf das Strahlen verzichten, das eine Säure deinem Teint verleihen könnte – es gibt nämlich auch sanftere Alternativen. „Vitamin C (bzw. L-Ascorbinsäure) ist eine Säure, aber keine AHA. Daher hat es keine peelende Wirkung, schenkt dir aber einen schönen Glow“, erklärt Haydon. „Das ist eine tolle Substanz, die deine Haut immer schöner macht.“
Dr. Mitan hat eine andere Empfehlung: eine Alternative zu AHAs, die sogenannten PHAs (Polyhydroxysäuren), sowie Bionsäuren. „Beides wirkt ähnlich wie eine AHA, reizt die Haut aber nicht“, sagt sie. „PHA eignet sich am besten für empfindliche Haut, spendet Feuchtigkeit und stärkt die Hautbarriere.“ Ob du dich also weiterhin auf die beliebtesten Skincare-Säuren verlässt oder auch mal sanftere Optionen ausprobierst: Wenn du weißt, was du tust, und dich (zumindest am Anfang) an „Weniger ist mehr“ hältst, ist der gesunde Glow zum Greifen nah.

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